
Seit Jahrzehnten wird uns eingeredet, dass wir Angst vor tierischen Fetten haben sollen und, dass insbesondere die gesättigten Fette nicht mehr als 10% unserer Nahrung ausmachen sollten. Inzwischen wurde Fett und insbesondere die gesättigten Fette aber zum Glück “rehabilitiert” und man hat erkannt, wie wichtig sie für unser Wohlbefinden sind. Wer abnehmen möchte, braucht keine Angst vor Fett haben – damit ist aber auch nicht gemeint, dass man dann “endlos” viel Fett essen sollte.
Im Faustformel System gehen wir ganz “entspannt” mit Fett um. Man darf es sich immer aufs Brot schmieren, ein bisschen Butter, Sahne, Sauerrahm o.ä. übers Gemüse geben, die fetteren Fleischteile schmecken nicht nur besser, sie enthalten auch mehr nützliche Nährstoffe etc etc …. Essen soll schmecken und tut uns dann auch besser. Aber wir ziehen eine Grenze dort, wo man das Essen in Sahne “ersäuft” oder Dinge frittiert (v.a., wenn sie in Pflanzenöl frittiert werden). Dabei ist immer ganz wichtig: je mehr Fett du isst, umso weniger Kohlenhydrate sollte eine Mahlzeit enthalten. Dafür macht eine Mahlzeit, die ein bisschen mehr Fett enthält, auch wesentlich “zufriedener” und satter (vor allem im Vergleich zu einer Mahlzeit, die fettarm ist und viele Kohlenhydrate enthält….).
Aber was soll man sich jetzt aufs Brot schmieren? Jahrelang hat man ja gehört, dass Pflanzenöle so viel besser sein sollen. Ist Margarine besser als Butter?
Die kurze Antwort: NEIN! Zumindest in den allermeisten Fällen.
Butter ist ein sehr wertvolles Lebensmittel und hat VIELE Vorzüge. Aber gehen wir es der Reihe nach durch:
1) Härtung oder Interesterifzierung/Umesterung.
Margarine besteht ja in den allermeisten Fällen aus Ölen – und die sind flüssig. Da wir aber lieber “streichfähige” Fette aufs Brot schmieren würden, müssen diese Öle irgendwie “gehärtet” werden. Jahrzehntelang hat man Margarine deswegen “teilweise gehärtet” – in der Meinung, dass man sich damit gesunde Pflanzenöle aufs Brot schmieren kann. Das Problem dabei: erst Jahrzehnte später kam man dahinter, dass genau dieser Prozess der Härtung die Fette erst so richtig gefährlich macht, weil dabei die gefährlichen Transfette entstehen und es diese Fette sind, die zu Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und vielen anderen Problemen beitragen können. Heute ist daher die Härtung sehr verpönt und in vielen Ländern verboten, deswegen mussten die Hersteller andere Methoden finden, wie sie flüssige Öle zu einer streichfähigen Creme machen: Umesterung oder auch Interesterifizierung. Das Interessante dabei: auch hier weiß man noch nicht, ob das gesund oder zumindest unschädlich ist, in Tierstudien wurde allerdings schon gezeigt, dass diese Fette zu Problemen führen können – u.a. z.B. zu Übergewicht beim Nachwuchs oder auch Veränderungen im Gehirn beitragen – aber da werden wir dann wohl auch in 30 oder 40 Jahren mehr wissen. Bis dahin rühren wir das Zeug aber mal sicherheitshalber nicht an. Das Problem: ein Produkt muss nicht gekennzeichnet sein, wenn es interesterifizierte Fette enthält.
Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, ein streichfähiges Fett herzustellen: indem man einfach nur Fette verwendet, die von Natur aus fest sind, wie z.B. Kokosfett. Es gibt daher inzwischen Margarinen, die aus diesen Fetten bestehen und die sind mit dem Hinweis “Hergestellt aus natürlich festen Fetten” versehen. Wer also – aus welchem Grund auch immer – lieber auf Margarine zurückgreift, sollte nur solche mit diesem Hinweis kaufen.
2) Sehr viel Omega 6.
In den meisten Fällen wird Margarine aus Pflanzenölen hergestellt, die ein sehr ungünstiges Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3 enthalten. Das sollte nämlich nicht höher als 5 mal so viel Omega 6 wie Omega 3 sein, also 5 zu 1, aber zB in Sonnenblumenöl ist das Verhältnis 150 zu 1. Zu viel Omega 6 zu Omega 3 wird mit entzündlichen Prozessen im Körper in Verbindung gebracht, und diese wiederum sollen zu allen möglichen Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes beitragen.
Auch hier haben die Margarinehersteller dazu gelernt und produzieren inzwischen teilweise Margarinen mit einem günstigeren Verhältnis – aber auch erst nachdem sie uns jahrzehntelang die Margarine verkauft haben, die Schaden angerichtet hat. Was ist jetzt drin, von dem wir (noch) nicht wissen, dass es eigentlich eine “schlechte Idee” ist?
Wenn eine Margarine aber z.B. viele einfach ungesättigte Fettsäuren enthält (wie zB kaltgepresstes Olivenöl), dann spricht einiges dafür, dass sie sehr nützlich sein könnte – allerdings ist dann immer noch die Frage: wie wurde das Ding denn streichfähig gemacht? Siehe erster Punkt.
3) Vitamine, insbesondere fettlösliche Vitamine
Butter, vor allem von Kühen, die Gras fressen durften (und nicht Silage aus Mais und Soja….), enthält viele Vitamine. Insbesondere die fettlöslichen Vitamine wie Vitamin D, A oder K. Auch Vitamin B12 ist enthalten.
Und gerade Vitamin A kommt in der heutigen Ernährung oft zu kurz. Ja, Margarinen wird meistens Betakarotin zugesetzt, weil das das sonst sehr weiße Fett schön hellgelb und damit “butterfarben” macht – und man ist bisher immer davon ausgegangen, dass der Körper Betakarotin einfach in Vitamin A umwandeln kann.
Aber jetzt scheint es so, als könnten das nicht alle Menschen in ausreichendem Maße – und gerade bei Frauen funktioniert das scheinbar besonders schlecht. Angeblich kann jede zweite Frau Betakarotin nicht ausreichend in Vitamin A umwandeln. Was bedeutet das? Das heißt, dass diese Frauen Vitamin A nicht “pflanzlich” (also in Form von Betakarotin) bekommen können, weil sie es nicht ausreichend in die Form umwandeln können, die der Körper braucht. Sie sollten es also in tierischer Form (als “echtes” Vitamin A) essen – zB in Butter (oder auch Leber und anderen fetten, tierischen Lebensmitteln nebenbei bemerkt).
Fazit:
Es gibt Margarinen, die mit “von Natur aus festen Fetten”, wie z.B. Kokosfett, hergestellt werden. Wenn du eine sehr starke Unverträglichkeit auf Milchprodukte hast, dann kann es eine gute Alternative sein, wenn du auf diese Art von Margarinen zurück greifst. Aber sonst spricht nichts gegen die gute, alte Butter – vor allem, wenn sie von Kühen stammt, die Gras fressen durften und auf der Weide gehalten wurden!
Möchtest du wissen, wie viel Fett jetzt wirklich beim Abnehmen “okay” ist, welches Fett du zum Kochen verwenden sollst, und welches Fett du auf jeden Fall vermeiden solltest? Dann ist der “Mini-Kurs Fett” vielleicht genau das Richtige für dich!
Quellen:
UK women at risk from vitamin A deficiency
Published online 2017 May 8. doi: 10.1111/nbu.12264
Clin Nutr. 2015 Oct;34(5):904-10. doi: 10.1016/j.clnu.2014.09.014. Epub 2014 Sep 28.