
Als eines der größten Argumente für einen veganen Lebensstil wird immer das Argument gebracht, dass es viel “nachhaltiger” sei und weniger Ressourcen verbrauche, wenn man sich vegan ernährt.
Man hört dann so Argumente wie:
- Die Herstellung von 1 kg Rindfleisch verbraucht 16,000 Liter Wasser.
- Man braucht 17 kg Getreide um 1 kg Rindfleisch herzustellen.
Diese Argumentation stimmt leider nur zum Teil. Gehen wir es der Reihe nach durch.
Tierleid
Um eines vorweg zu nehmen: Massentierhaltung ist unter jeder Diskussion. Selbstverständlich muss dieses Tierleid und die Art, wie wir in der “normalen” Landwirtschaft mit Tieren umgehen, aufhören. Das bestreitet keiner und darum soll es hier auch nicht gehen.
Und natürlich ist es immer besser sich pflanzlich zu ernähren, bevor man Produkte von solchen Tieren isst. Für mich steht es außer Zweifel, dass man konventionell hergestellte, tierische Produkte eigentlich nicht mehr kaufen kann, denn sie sind eine Katastrophe für uns, die Tiere und das Klima. Ich tue es schon seit Jahren nicht und hoffe, dass ich immer mehr Menschen davon überzeugen kann, das auch nicht zu tun.
Leider wird Massentierhaltung oft als Argument dafür gebracht, dass dann eine vegane Ernährung besser wäre. Für diese Diskussion gehen wir jetzt aber mal von artgerecht gehaltenen Tieren aus, die ein möglichst glückliches und würdevolles Leben leben durften – egal, wie lange oder wie kurz es war.
Dann kommt an dieser Stelle oft das Argument, dass “gute” Tierhaltung eben nicht in dieser Menge möglich ist und dass man niemals so viele tierischen Produkte auf “gute” Weise produzieren könnte. Das mag sein, aber das heißt nur, dass wir dann eben weniger “Tier” konsumieren müssen – weniger, dafür besser.
Wasserverbrauch
Der Wasserverbrauch ist ein Argument, bei dem die Rechnung sehr vereinfacht und irreführend dargestellt wird. Wenn man sich die Rechnung anschaut, merkt man erst, wie absurd das alles ist.
Ein Rind wiegt bei Schlachtung ca 600 kg (das ist jetzt eine grobe Annahme, da das auch von der Rasse etc abhängt). Davon sind ca 300 kg Fleisch (auch hier wieder: sehr grobe Annahme). Wenn ein kg Fleisch wirklich 16,000 Liter Wasser verbraucht hat (laut Wikipedia sind es 6000 Liter für Rindfleisch aus Massentierhaltung und 12.000 Liter für Fleisch aus Weidehaltung in Deutschland, aber weltweit ist der Schnitt 16.000 Liter), dann wären das 4,8 Mio Liter Wasser für eine Kuh. In ihrem 10-monatigen Leben. Oder 16.000 Liter pro Tag.
Wie sich die Rechnung zusammensetzt (Zahlen für Deutschland). Von 5991 Litern Wasser (in Deutschland sind es nur 6000 Liter, nicht 16,000) für eine ein Kilo in Deutschland hergestelltes Rindfleisch sind 5014 Liter sogenanntes “grünes Wasser”. Grünes Wasser ist das Wasser, das als Regen auf die Weideflächen fällt. Nur 950 Liter Wasser kommt aus der Wasserleitung. Je mehr Weide die Tiere haben, umso mehr Wasser wird damit auch benötigt (weil mehr Regen auf eine größere Fläche fällt) – weswegen für Fleisch aus Weidehaltung angeblich 12.230 Liter pro Kilo verbraucht werden – und davon 11.100 als Regen. Regen ist in Deutschland und Österreich nicht das Problem. Weideflächen binden Wasser und sorgen dafür, dass unsere Natur im Gleichgewicht bleibt. Übrigens binden Ackerflächen meistens nicht so gut Wasser (je nachdem, ob und wie sie gerade bewachsen sind und wie verdichtet der Boden ist) und bebaute Flächen sind in dieser Hinsicht noch schlimmer. Das Beste, was uns für unser Mikroklima passieren kann, ist, dass Weideflächen große Mengen an Wasser aufnehmen, binden und ans Grundwasser abgeben. Das Wasser ist nicht “verbraucht” oder “verloren” – es wäre in jedem Fall auf diese Flächen gefallen und das Beste, was uns passieren kann, ist, dass es dann auch im Boden aufgenommen wird und nicht an der Oberfläche abfließt und zu Überflutungen führt (oder guten Mutterboden mit ausschwemmt, was bei Ackerböden ohne Bodendecker leider sehr oft der Fall ist).
Dass für 1 kg Rindfleisch daher 12.000 Liter Wasser “verbraucht” werden, ist irreführend (und meiner Meinung nach falsch).
Ein anderes Beispiel: um nur eine Mandel zu ernten, werden in Kalifornien 12 Liter Wasser verbraucht. EINE MANDEL. Das ist aber kein Regenwasser, sondern hier wird mit dem Grundwasser die Plantage bewässert. Der Grundwasserspiegel hat sich wegen des Mandelanbaus in den Anbaugebieten deswegen bereits so stark gesenkt (nämlich stellenweise um mehrere Meter!), dass in der Erde verlegte Rohre brechen und Straßen Risse bekommen! Das ist Wasser, das wirklich “verbraucht” wird. Mandelmilch ist daher, wenn die Mandeln aus Amerika kommen, eine ziemliche Umweltkatastrophe. Kalifornien produziert übrigens 80% der Mandeln, die weltweit am Markt sind. Wegen der speziellen Spritzmittelkombinationen (Glyphosphat!), die bei Mandelbäumen eingesetzt werden, sterben übrigens im Schnitt ein Drittel der Bienenvölker, die während der Mandelblüte extra dort hin gebracht werden.
Um eine Avocado in Kalifornien anzubauen, werden über 800 Liter Wasser (!!!) verbraucht. Auch wieder bewässert (denn in Kalifornien herrscht seit Jahren extreme Trockenheit).
Das soll nicht heißen, dass die Fläche, die für den Sojaanbau für das Kraftfutter der Tiere aus Massentierhaltung nicht auch ein großes Problem darstellt. Oder dass auch österreichische und deutsche Bauern, außer, sie betreiben extensive Weidehaltung, große Mengen an südamerikanischem Soja verbrauchen. Ich mag nur diese Argumentation nicht, dass jede Tierhaltung über einen Kamm geschoren wird und man so tut, als würde eine Kuh jeden Tag 16.000 Liter Trinkwasser aus der Wasserleitung verbrauchen und den Menschen oder der Natur “wegnehmen.” Oder dass vegane Landwirtschaft auf jeden Fall immer harmlos und nachhaltig ist. Oder kein Tierleid verursacht.
Flächenverbrauch
Das Problem bei unserer Tierhaltung ist vor allem, dass wir Tiere nicht mehr artgerecht halten und füttern. So werden die meisten Rinder, Schweine und Hühner in engen Ställen gehalten, sehen fast nie Tageslicht und werden vor allem mit Futter gefüttert, das für sie nicht natürlich ist. Ein Rind sollte Gras (und Heu) fressen, aber nicht teuer hergestelltes Soja oder Mais.
60-70% des in Deutschland hergestellten oder nach Deutschland importierten Sojas wird an Tiere verfüttert. Dafür braucht Deutschland in Südamerika eine Fläche, die nochmal fast halb so groß ist wie alle Ackerflächen in Deutschland zusammen. Zahlen für Österreich haben wir nicht, werden aber ähnlich sein.
Ich kenne aber auch kleine Bauern aus Österreich, die in einem engen Stall ein paar Rinder halten, die nie ans Tageslicht dürfen. Auf den eigenen Feldern vor dem Haus wird Mais angebaut, der dann mit Soja (importiert aus Südamerika) vermischt an die Rinder verfüttert wird. Es muss keine “Massentierhaltung” sein, um Tiere schlecht zu halten. Auch die “Bauernhofgarantie” in Österreich garantiert Tierleid. Deswegen ist es so wichtig, genau hinzuschauen und zu hinterfragen, woher man das Fleisch bezieht.
Das Problem ist aber die Art der Haltung, nicht das Tier.
Denn ein ”extensiv” gehaltenes Rind, das auf der Alm oder auf der Weide steht, verbraucht kein Kraftfutter, frisst kein Soja und keinen Mais – sondern Gras (oder Heu). (Schweine oder Hühner brauchen immer Kraftfutter als Zusatzfutter, aber auch hier wird die Menge wesentlich kleiner, wenn die Tiere Zugang zu Weide haben und artgerecht gehalten werden).
Viele Flächen in Österreich (aber auch in der Schweiz und in Deutschland) sind von der Lage oder vom Klima her gar nicht für den Ackerbau geeignet. Man könnte an den Hängen Tirols keinen Weizen oder Gemüse anbauen – aber man kann Kühe grasen lassen, die damit die Landschaft pflegen und gesund erhalten, die Humusschicht aufbauen, Wasser binden (und damit unser Grundwasser, die Bäche und Flüsse speisen) und nebenbei den Menschen ernähren können.
Aber eben nur mit artgerechter Haltung. Besser fürs Tier, besser für die Umwelt, besser für uns (denn Fleisch von solchen Tieren hat außerdem eine ganz andere Zusammensetzung und ist wesentlich gesünder für uns).
Die Berg- und Hügellandschaft Österreichs wurde durch Tierhaltung geformt. Unsere Almen und Wiesen wären anders (oder gar nicht existent), wenn wir nicht schon seit 10,000 Jahren darauf in enger Symbiose mit Rindern und anderen Tieren leben würden. Das zeigt sich u.a. auch daran, dass Schigebiete inzwischen Bauern dafür bezahlen, damit sie ihre Tiere auf den Almen grasen lassen – da das so wichtig für die Landschaftspflege ist.
Methan/CO2
Ein anderes, wichtiges Argument gegen Rinderhaltung sind ihre “Abgase”. Denn es gehört zur natürlichen Verdauung von Kühen, dass sie relativ viel Methan ausstoßen. Methan ist aber ein Gas, das extrem zur Klimaerwärmung beiträgt.
Das stimmt und es ist ein Problem. Aber auch nicht so, wie es immer dargestellt wird.
- Was dabei übersehen wird: dass durch artgerechte Weidehaltung extrem viel Kohlenstoff im Boden gebunden wird (und damit aus der Luft entfernt wird. Das ist das CO2 in der Luft, das sonst zur Klimaerwärmung beiträgt). Das passiert aber nur bei artgerechter Weidehaltung, nicht bei Fütterung mit Mais und Soja. Und in wesentlich kleinerem Ausmaß (wenn überhaupt) im Ackerbau.
- Das Methan, das dabei ausgestoßen wird, enthält nur den Kohlenstoff, den die Tiere zuvor mit dem Gras aufgenommen haben – und dieses Gras enthält den Kohlenstoff nur deswegen, weil ihn die Pflanzen zuvor als CO2 aus der Luft geholt haben. Es gibt inzwischen Projekte, wie man den Methanausstoß der Rinder (wird dann auch durch den Mist freigesetzt) wesentlich reduzieren kann und damit führt die Rinderhaltung zu einer KlimaABKÜHLUNG, weil durch die Weidehaltung mehr Kohlenstoff im Boden gebunden wird als dann freigesetzt wird. Dieses Video (leider nur auf Englisch) erklärt das auch sehr gut.
Biologische Landwirtschaft geht nicht ohne Tiere
Biologische Landwirtschaft braucht Tiere im Kreislauf. Dazu gibt es ein tolles Buch: “Food Crash – wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr.” Darin geht es gar nicht um vegane Ernährung oder veganen Anbau, sondern um den Vergleich von Bio-Anbau und konventionellem Anbau. Dabei wird klar, dass wir nur mit Bio-Anbau die Gesundheit des Planeten weiter gewährleisten können. Allerdings wird auch klar, dass das nur mit Tieren im Kreislauf geht.
Ich werde versuchen, das kurz zu erklären:
Wenn wir etwas ernten, entnehmen wir dem Boden Nährstoffe, die die Pflanze dazu verwendet hat, die Wurzel, das Blatt, die Knolle oder die Frucht, die wir uns holen, zu produzieren. Darin stecken nicht nur Wasser und Kohlenstoff (aus der Luft), sondern auch Vitamine, die die Pflanze zum Teil selber herstellen kann und Mineralien, die aus dem Boden kommen müssen. Mineralien sind Elemente und können nicht produziert werden. Die sind da – oder eben nicht. Wenn man dem Boden aber ständig Nährstoffe entzieht, dann muss man sie auch wieder zuführen, sonst ist der Boden irgendwann “leer” und es wächst nichts mehr. Deswegen muss regelmäßig gedüngt werden.
Die drei Mineralien, die dafür am wichtigsten sind (damit man einen Ertrag hat – das heißt deswegen nicht, dass nicht andere Nährstoffe wie Selen oder Jod ausreichend vorhanden sind), sind Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Deswegen besteht auch Kunstdünger genau aus diesen drei Stoffen: NPK. Wie schon erwähnt, sind Mineralien Elemente und können daher nicht “hergestellt” werden (sonst könnte man auch Gold “herstellen”), sondern nur extrahiert oder konzentriert werden.
Stickstoff (von dem man am meisten braucht) ist in großen Mengen in unserer Luft enthalten. Aber von dort können sich das die Pflanzen in den meisten Fällen nicht holen – er muss im Boden gebunden sein. Einige Pflanzen, sogenannte Stickstofffixierer, können den Stickstoff aus der Luft im Boden binden (mit Hilfe der richtigen Bakterien…). Dazu gehört zB Soja. Deswegen wird Soja auch gerne als Wechselfrucht mit Mais verwendet, um wieder mehr Stickstoff in den Boden zu bringen.
Stickstoff wäre von Natur aus viel im Mist der Tiere enthalten, was der Grund ist, warum bei uns traditionell viele Felder mit Mist gedüngt werden oder Mist dem Humus, mit dem oft in der Bio-Landwirtschaft gedüngt wird, beigemischt wird.
Für Kunstdünger wird Stickstoff sonst mit hohem Energieaufwand (dafür wird viel Erdöl verbraucht) in Fabriken hergestellt (diese Industrie ist übrigens ein Überbleibsel aus der Bombenproduktion im 2. Weltkrieg, als man dafür viel Stickstoff gebraucht hat.)
Bei den anderen beiden wichtigen Bestandteilen, P und K, also Phosphor und Kalium, wird es komplizierter.
In der Natur wären diese beiden Mineralien zB im Blut und in den Knochen der Tiere enthalten. Wenn man also zB Knochen- oder Hornmehl in den Boden einarbeitet, sind auch diese Nährstoffe abgedeckt. Wenn man aber keine Tiere dafür verwenden möchte, dann muss man P und K mineralisch abbauen (also in Minen). Die größten Vorkommen dafür sind nicht in Deutschland und Österreich, sondern zB in Russland. Deutschland importiert übrigens 80% seines Bedarfs an P und K (Zahlen für Ö haben wir leider nicht) und man schätzt, dass die Weltreserven dieser beiden Mineralien in weniger als 20 Jahren aufgebraucht sind werden.
Wer also veganen Anbau betreiben will, muss diese Nährstoffe irgendwo herholen. Die derzeit einfachste (aber nicht nachhaltige) Methode ist Kunstdünger – damit werden aber Unmengen an Erdöl verbraucht und die Weltreserven an Phosphor und Kalium weiter verringert.
Eine “biologische” Version von veganem Anbau ist deswegen schwierig, weil man die Nährstoffe nicht herstellen kann, aber sie irgendwie dem System zuführen muss. In der Natur ist alles ein Kreislauf und es gibt keine Systeme, die ohne Tiere auskommen. In jedem natürlichen System gibt es Pflanzen und Tiere – oder, krass ausgedrückt: irgendjemand muss dort kacken und sterben, um den Boden für die Pflanzen zu füttern, die Nahrung für ihn selbst und andere liefern.
Der vegane Landbau ist deswegen einen total unnatürliche Situation. Man nimmt alle Tiere aus dem Kreislauf heraus und entnimmt dem Boden mit jeder Ernte Nährstoffe, ohne, dass sie sie dem System wieder zugeführt werden. Denn im Gegensatz zu Weide- oder Wildtieren kackt und stirbt der Mensch ja nicht auf den Feldern – sondern weit entfernt und woanders.
Ich beschäftige mich seit über 10 Jahren mit diesem Thema, weil es mich fasziniert. Ich habe viele Bücher über biologische und nachhaltige Landwirtschaft (und insbesondere artgerechte Tierhaltung) gelesen und mich immer wieder mit Menschen unterhalten, die sie betreiben. Außerdem betreibt mein Vater seit über 50 Jahren einen großen Biogarten, der all unser Gemüse liefert.
In diesen Jahren habe ich oft auch von Menschen gehört oder Geschäfte gesehen, die eine “gewaltfreie, vegane” Landwirtschaft propagieren und behaupten, das auch zu schaffen. Wann immer ich die Gelegenheit habe, unterhalte ich mich dann mit ihnen und versuche herauszufinden, wie die das machen (denn die Biobauern, mit denen ich mich unterhalte, rätseln, wie das möglich sein soll, würden sich aber auch gerne den Aufwand sparen, wenn es ginge).
In diesen 10 Jahren habe ich noch nicht einen EINZIGEN getroffen, wo das wirklich nachhaltig machbar war. Denn, wenn man dem Boden ständig Nährstoffe entzieht, muss man die auch wieder zuführen. Und wenn man sich dann weigert, das so zu machen, wie die Natur es vorsieht, wird es eben schwierig. Denn in der Natur gibt es eben keine Ökosysteme ohne Tiere – und wenn der Mensch versucht das zu erzwingen, wird es sehr kompliziert oder eben verschwenderisch.
Ein Beispiel: ein “gewaltfreier” Gemüsestand auf einem großen Markt hat eine eigene Landwirtschaft und kauft Dinge, die sie nicht selber anbauen, zu. Ich bin extra mal an einem ruhigen Tag hin spaziert und hab mich mit denen unterhalten. Die Antwort: Die eigenen Produkte dieses Gemüsestandes werden (wurde mir voller Stolz erzählt!) folgendermaßen gedüngt: auf einem Teil der Felder (wie die gedüngt werden, wurde mir nicht erzählt) wird Getreide angebaut. Diese Getreide wird nach der Ernte fermentiert und dieses Ferment wird dann zur Düngung der Gemüsefelder verwendet. Man braucht also hier ein Vielfaches der Fläche an gutem, wertvollen Ackerboden, nur, um zu vermeiden, dass man den Mist von Tieren verwenden muss. Anstatt das geerntete Getreide dazu zu verwenden, Brot zu backen, wird es als Dünger verwendet. Eine unglaubliche Verschwendung! (Wenn man es übrigens an Tiere verfüttern würde, hätte man tierische Produkte von glücklichen Tieren und der Mist würde ganz nebenbei als Dünger fürs Gemüse anfallen).
Ein (großer) Teil der Produkte an diesem Stand wird übrigens zugekauft (weil es bei uns nicht wächst oder gerade keine Saison hat): Auf meine Frage, ob es so viele gewaltfreie Landwirtschaften gibt, kam die Antwort: ach so, nein, die sind dann nur “normal bio”. Also eine glatte Lüge, denn vorne am Stand steht “100% gewaltfreie Landwirtschaft”.
Aber was ist dann mit dem Bio-Gemüse im Bioladen?
Die kurze Antwort: das ist nicht vegan. Konkret haben mir das bisher alle Bio-Bauern bestätigt, mit denen ich geredet habe. U.a. auch einer der größten Bio-Bauern Österreichs, der auch fast alle Bioläden beliefert. Dort wird mit selbst hergestellten Humus gedüngt (was super ist!) – der Humus hat allerdings 10% Mist beigemischt. Darüber redet keiner, ist aber so. Ist halt leider nicht vegan (aber zum Glück bio und nachhaltig!). Die Großstadtveganer wissen das nicht, hinterfragen es nicht und kaufen ganz stolz “bio” (das nie vegan ist).
Fazit: wenn wir vegan anbauen wollen, ist das entweder extrem verschwenderisch oder mit Kunstdünger gedüngt (was für unser Klima schlecht ist und unsere knappen Reserven verbraucht).
Echte Bio-Landwirtschaft ist nicht vegan. (Ich bin übrigens sehr offen dafür und interessiert daran, wenn mir jemand zeigt, wie das funktionieren kann. Ich bin nur nach 10 Jahren schon ein bisschen skeptisch, dass ich noch jemanden treffe, wo das wirklich nachhaltig funktioniert.)
Wir brauchen für eine nachhaltige Bio-Landwirtschaft nicht viele Tiere im Kreislauf (und sicher keine Massentierhaltung), aber wir brauchen sie. Wir könnten auch gar nicht so viele Tiere artgerecht halten (denn dafür braucht man Platz und Zeit – diese Tiere leben ja auch meistens länger als Tiere aus Massentierhaltung). Daher, wie schon vorher gilt: weniger, dafür besser!
Transportwege
Bei den Transportwegen unterscheiden sich vegane nicht von nicht-veganen Produkten. Außer wieder bei Fleisch aus Massentierhaltung (weil da ja das Futter aus Südamerika kommt).
Mein Fazit:
Nur, weil etwas “vegan” ist, ist es nicht automatisch nachhaltig oder verursacht kein Tierleid oder Umweltkatastrophen. Es gibt genug vegane Produkte, die da nicht besonders gut abschneiden.
Das Hauptproblem ist aber, dass nachhaltige, biologische Landwirtschaft, die den Planete und die Umwelt schont, vegan nicht möglich ist.
Ist “vegan” aber wenigstens ein guter Anfang?
Oft höre ich als Argument, dass jemand sich vegan ernährt oder nur mehr vegan einkauft, weil das halt eben mal ein “Anfang” wäre und wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung. Das finde ich nicht.
Landwirtschaft, wie wir sie heute betreiben, ist ein unglaublich komplexes Thema und wirft sehr viele Fragen auf und hat große Probleme. Wir müssen etwas verändern.
Aber: wer vegan sein will und nur vegan kauft, versperrt – meiner Meinung nach – den Weg zu echten Lösungen. Denn wir werden Tiere im Kreislauf brauchen und wir brauchen Pioniere, die neue Ansätze finden, wie wir mit der Natur und unseren Tieren umgehen. Leider wird in der “Vegan-Diskussion” jede Tierhaltung und jede Schlachtung immer von vorneherein verteufelt. Und das ist ein Problem.
Meiner Meinung nach gibt es zu jeder Zeit immer nur einen kleinen Teil der Bevölkerung, der sich für Veränderung interessiert und willens ist, dafür auf etwas zu verzichten oder mehr zu bezahlen. Der Rest der Bevölkerung macht dann mit, wenn es “Mainstream” geworden ist. So sind wir auch zu den Bio-Abteilungen in den großen Supermärkten gekommen. Zuerst haben einige Bio-Pioniere 20 Jahre lang sehr mühsam in kleinen Geschäften den Weg bereitet, bis das Thema so allgegenwärtig wurde, dass es jetzt in jedem Supermarkt angeboten wird.
In der “Vegan-Diskussion” sind es aber jetzt genau diese Vorreiter, die leider auf den Vegan-Zug aufspringen und dann zum größten Teil jede Tierhaltung vermeiden und verteufeln. Aber wenn niemand (oder einfach zu wenige) bereit sind, für die Produkte dieser Pioniere mehr Geld auszugeben oder mühsame Transportwege in Kauf zu nehmen, dann fehlt dort das Kapital, um diese Dinge weiterzuentwickeln. (Und die großen Ketten und Kunstdüngerhersteller profitieren davon, wenn sie hoch verarbeitete vegane Produkte verkaufen – denn “Hauptsache vegan”!)
Deswegen: Nein, für mich ist “vegan” kein guter, erster Schritt, sondern ein Schritt in die falsche Richtung.
Bitte nicht falsch verstehen: unsere Landwirtschaft hat im Moment große Probleme, die sehr, sehr komplex sind. Aber man löst diese Probleme nicht, indem man einfach vegan wird wird. Ich hoffe, dass ich in diesem Artikel ein bisschen erklären konnte, warum.
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelles_Wasser
Food Crash: https://www.amazon.de/FOOD-CRASH-werden-%C3%B6kologisch-ern%C3%A4hren/dp/3426786273/ref=sr_1_1?
http://www.slate.com/articles/technology/future_tense/2014/05/_10_percent_of_california_s_water_goes_to_almond_farming.html?
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1470160X17308592
https://www.motherjones.com/environment/2016/09/california-stil-drought-and-almonds-are-still-sucking-lots-water/
https://www.theguardian.com/environment/2020/jan/07/honeybees-deaths-almonds-hives-aoe
https://www.youtube.com/watch?v=UOPrF8oyDYw&feature=youtu.be