Sprossen sind kleine Kraftwerke der Natur. Während der Samen oder Kern noch “schläft” und daher noch nicht sein volles Potential erreicht hat, holt die Natur dann in der Sprosse zum vollen Schlag aus: Nicht nur, dass Sprossen voller nützlicher Enzyme stecken, es erhöht sich sogar der Vitamin- und Eiweißgehalt im Vergleich zum Samen. Neben Nährstoffen werden aber noch viele andere, nützliche Stoffe gebildet. Z.B enthält Brokkoli (wie andere Kohlgemüse auch) Stoffe, die unsere Entgiftung unterstützen und uns vor Krebs beschützen können. In den zarten Sprossen sind besonders viele dieser Stoffe enthalten, nämlich 10 bis 100 Mal so viel wie in der erwachsenen Pflanze! Schon kleine Mengen an Sprossen können daher dabei helfen, uns gegen Krebs zu beschützen.
Dr. Clive McKay, ein Professor für Ernährungswissenschaften an der Cornell Universität in Amerika sagt schon in den 1940er Jahren: Sprossen sind ein Gemüse, das in jedem Klima wächst, das im Bezug auf Nährstoffe gleichwertig mit Fleisch ist, das in 3-5 Tagen fertig ist, das weder Erde noch Sonnenschein braucht, das gleich viel Vitamin C wie Tomaten enthält, das keinen Müll macht und bei der Zubereitung kaum Energie verbraucht.”
Beim Vergleich mit Fleisch hat sich Dr. McKay vermutlich auf den Eisengehalt von Sprossen und nicht auf die Eiweißmenge, die mit ca 4% nämlich nicht aufregend ist. Aber deswegen essen wir Sprossen auch nicht, sondern wegen der Nährstoffe, Enzyme und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe. Außerdem sind sie eine recht gute Eisen- und Kupferquelle – zwei Mineralien, die gerade Frauen oft fehlen.
Was sind Sprossen eigentlich überhaupt?

Als Sprossen werden die Keime von Hülsenfrüchten (zB Mungbohnen, Linsen) oder Samen bezeichnet (typisch ist zB Kresse oder Alfalfa) in der Zeit nachdem sie anfangen zu wachsen.
Wie lange soll man sie wachsen lassen?

Die meisten Nährstoffe enthält der Keim in der ersten Woche – nach 3 bis 7 Tagen. Wie lange man die Samen keimen lässt, ist eigentlich Geschmackssache. Man kann sie essen, wenn sich kaum der erste Keim am Samen zeigt, oder wenn sie schon kleine Blätter haben und größer sind.
Welche Samen eignen sich zum Sprossen?

Grundsätzlich kann man fast alle Samen oder Hülsenfrüchte sprossen, aber man sollte unbedingt nur solche nehmen, die für den direkten Verzehr verkauft werden – und nicht, um sie zB im Garten anzusetzen. Es gibt zB Brokkoli-Samen oder Radieschen-Samen fürs Sprossen (und den Verzehr) zu Hause, aber auch Samen für den Anbau im Garten. Letztere können manchmal behandelt sein, damit sie im Beet besser aufgehen, daher nur solche Samen sprossen, die extra dafür gedacht sind.
Wie zieht man Sprossen?

Zum Thema Sprossen gibt es hier ein eigenes Küchenvideo.
Sprossen kann man ganz einfach selber in der Küche wachsen lassen. Wir mögen am liebsten solche Gläser wie dieses hier:
Oder dieses hier:
Es gibt auch Geräte mit mehreren Ebenen übereinander, aber wir haben damit keine so guten Erfahrungen gemacht, weil darin die Sprossen (zumindest bei uns) sehr schnell zu schimmeln anfangen. Das Glas oben muss man übrigens nicht bei Amazon kaufen, wir haben nur den Link hinzugefügt, damit man sieht, welches wir meinen. Das gibt es aber in fast jedem Reformhaus oder Bioladen. Genauso gut könnte man ein altes Gurkenglas nehmen und mit einem durchlässigen Tuch oder feinem Sieb abdecken, mit einem Gummiring verschließen und zum abtropfen schräg stellen. Die Samenmischungen bekommt man im Reformhaus, Bioladen, manchmal auch im Supermarkt, aber auch beim Gartenbedarf oder im Baumarkt. Achtung: diese bitte unbedingt immer NUR bio kaufen und nur solche Samen, die fürs Sprossen (und nicht für den Anbau im Garten) gedacht sind.Welche Sorten man da kauft, ist recht egal – das ist Geschmackssache. (Aber Achtung: Sprossen von scharfen Pflanzen wie Radieschen oder Rettich können sehr scharf sein!)
Ansetzen ist dann ganz einfach:
- 1-2 EL (nicht mehr!) der Samen in dem Glas in Wasser einweichen und einige Stunden quellen lassen.
- Dann abgießen, abspülen und das Glas umdrehen und abtropfen lassen.
- Ab jetzt zwei Mal pro Tag das Glas kurz mit Wasser durchschwenken, dann umdrehen und abtropfen lassen.
- Nach 1-2 Tagen beginnen die Samen zu keimen, je nach Sorte isst man sie nach 3 bis 7 Tagen.
Wann man die Sprossen isst, ist Geschmackssache. Man kann sie essen, sobald der erste kleine Keim erscheint – oder aber auch jederzeit bis dann schon ein richtiges erstes Blatt entstanden ist.
Wenn sie schon langsam grün werden, kann man sie aus dem Glas nehmen und noch 1-2 Tage im Kühlschrank aufbewahren und schon die nächste “Partie” ansetzen (Achtung: immer an den Keimen riechen, ob sie noch frisch sind und nicht “muffig” oder nach Schimmel riechen!)
Sprossen schmecken gut im Salat, als eigener Salat (ich mach das mit ein wenig Olivenöl, Zitronensaft, Sojasauce und Salz) oder auch aufs Butterbrot oder über eine andere Mahlzeit gestreut. Da sie schnell ihre wertvollen Enzyme verlieren, wenn man sie erhitzt, sollten sie bevorzugt roh gegessen werden.
